Immer wieder geraten Betriebe unter Druck, ihr Angebot zu erweitern. Ein zusätzliches Gericht auf der Speisekarte, ein neues Produkt im Sortiment oder eine weitere Dienstleistung versprechen mehr Umsatz und neue Gäste.
Doch mehr ist nicht automatisch besser.
Ich erinnere mich an Diskussionen über Wintergärten und überdachte Terrassen. Fachzeitschriften berichteten von Betrieben, die damit ihre Kapazitäten und ihren Umsatz steigern konnten. Solche Beispiele wirken verlockend. Auch ich begann damals zu überlegen, wie sich unsere Gartenwirtschaft ausbauen liesse.
Doch bei genauerem Hinsehen stellte sich eine andere Frage: Was macht unseren Betrieb eigentlich besonders?
Bei uns ist es der alte Kastanienbaum. Er spendet an heissen Sommertagen Schatten, prägt die Atmosphäre und verleiht der Gartenwirtschaft ihren unverwechselbaren Charakter. Gerade diese Einzigartigkeit würde durch bauliche Veränderungen womöglich geschwächt.
Ähnlich verhält es sich mit dem Angebot auf der Speisekarte. Wer ständig Neues hinzufügt, läuft Gefahr, sich zu verzetteln. Mehr Gerichte bedeuten mehr Einkauf, mehr Lagerhaltung, mehr Vorbereitung und kompliziertere Abläufe in der Küche und im Service. Oft leidet darunter die Qualität der bestehenden Angebote.
Die meisten Gäste wünschen sich kein möglichst grosses Angebot. Sie wünschen sich gute Produkte, verlässlich zubereitet und ohne lange Wartezeiten serviert.
Deshalb ist eine klare Konzentration häufig der bessere Weg. Lieber ein überschaubares Sortiment, das überzeugt, als eine Vielfalt, die den Betrieb unnötig belastet.
Die Erfahrung hat mich gelehrt: Nicht alles, was machbar ist, macht einen Betrieb auch besser. Oft entsteht Qualität dort, wo man bewusst auf etwas verzichtet.
Weniger ist deshalb nicht selten mehr.
