Als Jugendlicher mochte ich Eptinger überhaupt nicht. Es war mir zu sauer und schmeckte so gar nicht nach Zucker, wie das Orangina oder das Vivi-Cola aus Eglisau. Mein Lieblingsgetränk kam aus Winterthur: das weisse Orta. Selbstverständlich ebenfalls schön süss.
Damals war die Welt noch einfach. Getränke gab es meist in Literflaschen. Wer keinen Geschmack wollte, trank Brunnenwasser, das in unseren Dörfern in hervorragender Qualität und oft in beeindruckender Menge vorhanden war.
Irgendwann wurden mir die Kohlensäurebläschen wichtig. Ein Getränk ohne sie erschien mir zunehmend unvollständig. Während meiner Lehrzeit trank ich zeitweise viel Sinalco. Doch plötzlich begann das süsse Zeug nach künstlichen Zusatzstoffen zu schmecken. Die Vorlieben verschoben sich.
Eptinger verschwand aus meinem Leben und Henniez wurde für mich zum Inbegriff von Mineralwasser. Dank geschickter Werbung entwickelte sich die Marke fast zu einem Synonym für Mineralwasser schlechthin. Als später Passugger immer beliebter wurde, bestellten manche Gäste ein Henniez und meinten ein Passugger. Andere verlangten ein Passugger und wollten eigentlich ein Henniez. Eher selten erhielten sie auf Anhieb genau das, was sie gesagt hatten.
Heute lesen wir von Wasserknappheit, von verschmutzten Gewässern und von Regionen, in denen sauberes Trinkwasser seit jeher ein kostbares Gut ist. Umso mehr fällt mir im Restaurant auf, welchen Luxus wir uns beim Thema Wasser leisten.
Im Laufe der Jahre habe ich einen regelrechten Fragenkatalog entwickelt, um den Wunsch eines Gastes möglichst präzise zu erfüllen:
«Möchten Sie noch ein Mineralwasser zum Wein?»
«Ja, gerne.»
«Drei Deziliter, einen halben Liter oder einen Liter?»
«Einen halben Liter.»
«Mit oder ohne Kohlensäure?»
«Ohne.»
«Eher kühl oder nicht zu kalt?»
«Nicht zu kalt.»
«Gut, dann hole ich eine Flasche aus dem Keller.»
Kurze Denkpause.
«Wissen Sie was? Wenn ich es mir recht überlege, nehme ich lieber einen halben Liter Hahnenwasser. Nicht zu kalt. Geht das?»
