Der Weg des Wirtes zum Gast

Damit ist nicht das Überwinden der räumlichen Distanz gemeint, obwohl ein Wirt dies täglich tut, um die Wünsche seiner Gäste zu erfüllen.

Inzwischen kennen Sie das vielleicht von mir: Ich beschäftige mich gerne mit Wörtern, die meinen Alltag prägen und die ich unzählige Male verwende, ohne ihre eigentliche Bedeutung genauer zu hinterfragen.

Heute sind es die Begriffe «Gast» und «Wirt».

Wenn ich solchen Fragen nachgehe, greife ich zuerst zum Wörterbuch. Dort finden sich nicht nur Definitionen, sondern oft auch spannende Hinweise zur Herkunft eines Wortes. Die Wortwurzel eröffnet nicht selten einen tieferen Zugang zu seiner Bedeutung.

Der «Gast» ist nach althochdeutscher («gast») und germanischer («gastiz») Herkunft ein «Fremdling». Gemeint war ursprünglich jemand, der nicht zum Kreis der Menschen gehörte, die ihn aufnahmen und bewirteten.

Der «Wirt» wiederum geht auf die gotische Wurzel «wairdus» zurück und bedeutet «Gastfreund». Der germanische Wortstamm «werdu-» verweist auf Mahl und Bewirtung.

Der Weg eines Wirtes zum Gast führt demnach über die Gastfreundschaft. Mit einer freundlichen und offenen Haltung kann aus dem Fremdling ein Stammgast werden, der nicht mehr fremd ist und mit der Zeit vielleicht sogar zum Freund wird. Das Wort «Freund» stammt übrigens vom germanischen «fri» und bedeutet «lieben» oder «hegen».

Diese kleine Reise durch wenige Wörter bringt auf den Punkt, worüber in der Gastronomie seit jeher viel geschrieben und gesprochen wird: Echte Gastfreundschaft ist das Fundament jeder guten Gastgeberkultur.

Oder, ganz einfach gesagt:

Ein Wirt sollte Gastfreundschaft leben. Alles andere muss er üben.