Bewege ich mich mit der praktizierten Körper-Hygiene hin zur Dekadenz?

Am ersten Tag unserer wunderschönen „Drei-Generationen-Zweitageswanderung“ von der Bergstation Hoher Kasten bis zur Rotsteinpass-Hütte waren wir gut sieben Stunden unterwegs . Für die Jüngeren war das kein Grund nicht noch zum Altmann-Gipfel hochzusteigen….

Derweil forderten mich der Aufstieg zur Flieswand und der Abstieg zur besagten Hütte. Die Steinbock-Gruppe auf dem Sattel entschädigten mich für diese zwei „Grenzerfahrungen“.

Auf jeden Fall war ich froh, als ich, stark verschwitzt und erschöpft bei der Hütte ankam. Ich sehnte mich nach einer gründlichen Dusche. Nachdem ich mir erst ein Apfelschorle gegönnt hatte, bat ich die Gastgeberin, mir die Unterkunft und die Dusche zu zeigen. Lakonisch erwiderte sie, dass die Dusche geschlossen sei, infolge Wassermangels. Ihre Antwort ließ mich hart in der Realität landen. Wahrscheinlich hatte mich der davorliegende Effort auf meine ureigenste Befindlichkeit reduziert.

Vor der Alpsteinwanderung hatte mich die herrschende Wasserknappheit stark beschäftigt. Den Rückgang der Gletscher verspüre ich wie einen persönlichen Verlust. Die Ansicht des Wasserpegels vom Rhein beim Ausfluss aus dem Untersee will ich nicht recht akzeptieren. – Und ich frage die Hüttenwartin nach dem Weg zur Dusche? Etwas beschämt ging ich zum Massenschlag.

Ich hatte extra einen Waschlappen eingepackt – wie clever – ich schon erlebt hatte, dass es gar keine Dusche gibt in Berghütten. Das besänftigte meine „Not“ als ich mit halbwegs positiver Stimmung zum Waschraum ging. Das Rinnsal von Wasser, das dort floss sorgte für das finale „Reality Adjustement“. – Jetzt begriff ich völlig: Die haben hier kein Wasser, weil es schon lange nicht mehr geregnet hatte. Es herrscht hier und jetzt in der Schweiz, an gewissen Orten Wasserknappheit, Punkt. Ausrufezeichen!

Weiter ratterte es in meinem Kopf: Wenn ich hier den Hahn aufdrehen und dann läuft und läuft und läuft das Wasser eben nicht wie beim Dorfbrunnen – hier wird gehaushaltet damit, damit ausge- kommen – keine höherliegend Quelle, die angezapft werden kann, denn hier sind wir zuoberst oim Gebirge. – Hatte mir nicht kürzlich jemand gesagt, dass man sich in einer Berghütte nicht wäscht? – Was bist du denn für einer, habe ich mir gedacht; wenn man verschwitzt ist, stinkt man unweigerlich, dann wird geduscht. Ist doch klar, eh?

Meine antrainierte Gedankenlosigkeit begann nicht nur zu bröckeln, sie zersprang. Jetzt konnte ich die praktizierte Dekadenz erkennen. Die feststehende Regel „ich habe geschwitzt, also dusch‘ ich, ist nicht mehr zeitgemäß! – Wie wär’s mit gründlich waschen? Viele konkrete Fragen an mich, fasse ich in folgenden Maßnahmen zusammen:

  1. Ich werde meinen verschwenderischen Wasser-Haushalt eindämmen (das ist ein anderes Wort für sparen) und
  2. grundsätzlich meinen Gebrauch von Wasser in allen Lebenslagen hinterfragen.

Für dieses Erlebnis bin ich dankbar.